Warum tat ich nicht das, was fast alle meine Freunde und Schulkameraden taten? Zuletzt konnte ich überhaupt keine vernünftigen Gründe mehr für die Reise finden und da wusste ich, dass es an der Zeit war,  loszuziehen. Wenn ich jetzt nicht wegkomme, dann nie mehr dachte ich. Auch wenn die Jahreszeit nicht gerade günstig für eine Tramperreise war, immerhin hatten wir bereits September und die Nächte wurden schon verflixt kalt, stand ich nun allein an der Raststätte. Wir hatten noch gemeinsam einen Kaffee getrunken.

Meine  Freunde hatte ich  dann weggeschickt, weil ich mich ein wenig schämte, die Leute anzusprechen. Es kostet mich ganz schön Überwindung, fremde Menschen um etwas zu bitten und sei es auch nur um die Mitnahme bis zu einem vereinbarten Ort. Ich setzte mich erst noch einmal rein und fummelte an meinem Rucksack herum, obwohl gar nichts in Ordnung zu bringen war. Vielleicht hatte ich die Hoffnung, dass mir irgendjemand von sich aus anbot, bei ihm mitzufahren. Doch darauf konnte ich lange warten. Nein, ich musste die Initiative ergreifen, sonst würde ich hier verschimmeln.

Ich tat einen ersten zaghaften Versuch. Ein Urlauber machte ein freundliches Gesicht, deutete dann aber auf sein vollbesetztes Auto und zuckte mit den Schultern. Ein Anfang war gemacht. Und so schlimm war es gar nicht. Ich machte weiter. Ich konnte nur gewinnen. Eine Absage nach der anderen bekam ich und nahm es anfangs noch persönlich. Sah ich denn so schlecht aus? Musste man Angst vor mir haben? Merkte man nicht, dass ich viel mehr Angst hatte als alle anderen? Ich beobachte die Leute, um herauszufinden, bei wem ich die größten Chancen hätte. Aber ich dachte, wenn ich alle anquatsche, dann ist meine Chance größer mitgenommen zu werden. Ich schaute ungeduldig auf die Uhr.

Zwei Stunden war ich bereits hier und konnte mich nur mit dem Gedanken trösten, dass mir ab jetzt die Welt offen stand. Ich versuchte etwas von der Zukunft zu erahnen, die mir bevorstand. Ich hielt meine Nase in den  Kaffee‑ und Rauchgeschwängerten Dunst der Autobahnraststätte. Ich musste mal auf Toilette gehen und schon wurde mir bewusst, dass ich ein Problem hatte. Wo sollte ich hin mit meinem 60 Liter‑Rucksack? Ich versuchte ihn mitzunehmen, was sich aber als schwierig herausstellen sollte. Es war das erste Mal, dass mir richtig bewusst wurde, das all meine Habe in diesem Rucksack war. Schließlich ließ ich ihn so vor der Tür  stehen, dass ich seinen Schatten unter der Tür noch sehen konnte.

Ich ahnte, dass ich mit diesem Problem demnächst öfters zu kämpfen hätte. Nachdem ich mich so erleichtert hatte, nahm ich einen neuen Anlauf. Ich ging hinaus um dort LKW‑Fahrer zu erwischen, die ich fragen konnte. Niemals hätte ich mir die Blöße gegeben und wäre umgekehrt. Zu groß wäre die Schande gewesen. Allen wollte ich es beweisen. Was eigentlich?

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